Kreativtechniken zum Finden von Ideen - Teil 1

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Beitrag Kreativtechniken zum Finden von Ideen - Teil 1
Verfasst am: Di, 16. Sep 2014 11:39
# Kreativtechniken zum Finden von Ideen - Teil 1

Du kennst das sicher auch. Da sitzt Du vor einem weißen Blatt Papier und alle Ideen sind wie weggeblasen. Hast Du jedoch einen Begriff, dann entstehen wie aus dem Nichts viele neue Worte. Eine Kette von Worten beginnt auf das Papier zuströmen. Solche Wortketten sind ein guter Einstieg zum Sammeln von Ideen.

## Einfache Grundregeln
Zum Anwenden der folgenden drei Kreativtechniken gelten folgende einfache Regeln:
1. Nimm ein leeres Blatt Papier.
2. Schreibe mit der Hand und nicht mit dem Computer.
3. Gebe Dir eine Zeit, wie fünf oder zehn Minuten vor, da zeitliche Begrenzungen etwas Druck erzeugen.
4. Schalte den inneren Zensor in Dir aus und schreibe alles auf, was Dir in den Sinn kommt.

Tipp 1: Das richtige Papier und der richtige Stift
- Die Größe: Zu Hause nimm Papier im Format DIN A4 oder A3. Unterwegs darf es auch kleiner sein (siehe Tipp 3).
- Linien oder reinweißes Papier: Liniertes Papier ist gut für reine Textübungen. Die Linien geben der Schrift den nötigen Halt. Papier ohne Linien ist gut, wenn die Begriffe frei auf dem Papier geschrieben werden und durch Striche oder andere Grafiken verbunden werden.
- Schreibfarbe: Der Stift sollte eine kräftige Farbe wie Schwarz oder Blau haben, daher kein Bleistift.
- Die Schrift sollte nicht verwischen, wenn Du später Begriffe mit Farben markierst, daher ist Tinte in Kombination mit Textmarkern nicht geeignet.
Seit einiger Zeit gibt es farbige Kugelschreiber und Textmarker, die Du auch radieren kann (siehe http://www.frixion-shop.com).

Tipp 2: Papier sparen
Wenn Du das Papier aus dem Drucker sammelst, das nur einseitig bedruckt ist, kannst Du dies als Schmierpapier und für diese Kreativtechniken benutzen.

Tipp 3: Im Laufe eines Tages gibt es immer mal Wartezeiten. Diese kannst Du nutzen, wenn Du ein Oktavheft oder kleinen Block dabei hat und eine der folgende Kreativtechniken verwendest.

Tipp 4: Übertrage später die Wortlisten in den Computer, so kannst Du schnell(er) drauf zugreifen.

## Assoziativketten
1. Schreibe auf ein leeres Blatt Papier den ersten Begriff.
2. Schreibe rechts daneben den nächsten Begriff, der Dir dazu einfällt.
3. Wiederhole den Schritt 2, bis die Zeit um ist.

Beispiel: Mond - Wolken - Regen - nasse Straße - rutschig - Unfall - Verletzte - Rettungswagen - Krankenhaus - Arzt - ...

Die Assoziativketten waren eine Kreativmethode, die Ray Bradbury für seine Erzählungen einsetzte. [Ray Bradbury, "Zen in der Kunst des Schreibens", S. 31]

## Cluster
1. Schreibe den ersten Begriff in die Mitte des Papiers.
2. Schreibe den nächsten Begriff oben, unten, rechts oder links neben den Ersten und verbinde die beiden mit einem Strich.
3. Schreibe den nächsten Begriff zu einem bereits geschrieben Begriff und verbinde die beiden mit einem Strich.
4. Wiederhole den Schritt 3, bis die Zeit um ist.

Im Gegensatz zur Assoziativkette bist Du freier im Umgang mit neuen Einfällen. Es entsteht eine Grafik mit vielen Begriffen. Nach Ablauf der Zeit kannst Du mit Farben ähnliche Begriffe markieren oder besonders interessante Begriffe farblich hervorheben.

Tipp 5: Ein Cluster auf dem Computer kannst Du in einem Vektorgrafikprogramm erstellen. Nicht jeder hat das teure Zeichenprogramm "Adobe Illustrator". Doch es gibt preiswerte oder kostenlose Alternativen, die sogar noch besser dafür geeignet sind. Stichworte für die Google-Suche "free MindMap App". Ich persönlich nutze auf dem Macintosh das Programm "Inspiration.app".

## ABC-Liste
Eine ABC-Liste ist eine Liste von Begriffen zu einem bestimmten Thema, wie Du es von dem Kinderspiel "Stadt, Land, Fluss" kennst. Erfunden hat diese Technik Vera F. Birkenbihl in ihrem Buch "Stroh im Kopf". Und so geht es:
1. Schreibe an den linken Rand des Papiers (DIN A4 empfohlen) untereinander die Buchstaben A, B, C, bis X, Y und Z.
2. Schreibe in einer beliebigen Reihenfolge alle Begriffe, die Dir einfallen. Wobei jeder Begriff mit seinem Anfangsbuchstaben in die richtige Zeile kommt. Bleibt eine Zeile leer, so macht das nichts. Mehr als ein Begriff pro Zeile ist erlaubt.
3. Wiederhole Schritt 2, bis die Zeit um ist.

Beispiel für das Thema "Nacht"
Zitat:

Abend, Abendwolken, Abendgebell, Albtraum, aufwachen, Aufgang
Blau, Blätterrauschen, Bett, bleich
C
Dämmerung, Dunkelheit
Eule, Einsamkeit, Elfen, einschlafen
Fledermaus, Fernlicht, Fest, Feuer, Feier, Feuerwerk, farblos
Geräusche, Geister, Gespenst, Gelage, grau
Heulen, Halbmond, Holzknarzen
Irrlicht
Jagen
Katzen, Kamin, Kerzen, Kerzenlicht
Leise, leer, Lichtung, Licht
Mitternacht, Mondlicht, Milch, Müdigkeit
Neumond, Nachtgewitter, Nachttrunk
Orgie, Ordnung
Pein
Qual
Regen, Ruhe, ruhelos
Sterne, Schatten, schwarz, silber, Schlaf, schlaflos, Spuk, Schmerzen
Traum
Ungeheuer, Untergang
Vogelgezwitscher, Vampire, verschlossene Türen, Vollmond
Wolken, Wind, wachen, Wald
X
Y
Zikaden, zunehmender Mond



Tipp 6: Wozu kann man die ABC-Listen nutzen?
- Als Selbstüberprüfung, ob Du mit einem Thema ausreichend vertraut ist.
- Als Überprüfung, wie sich Dein Wortschatz vergrößert, wenn Du ABC-Listen zum gleichen Thema in zeitlichen Abständen machst.
- Als Wortsammlung und Ideenlieferant für eine Erzählung.
- Als nützlicher Zeitvertreib bei Wartezeiten.
- Als Basis für weitere Kreativtechniken (siehe "Kreativtechniken zum Finden von Ideen - Teil 2")
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