Kreativtechniken zum Finden von Ideen - Teil 2

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Beitrag Kreativtechniken zum Finden von Ideen - Teil 2
Verfasst am: Di, 30. Sep 2014 22:26
# Kreativtechniken zum Finden von Ideen - Teil 2

Im ersten Teil Kreativtechniken zum Finden von Ideen habe ich drei Möglichkeiten aufgezeigt, um möglichst schnell und einfach zu vielen Ideen zukommen. Das waren die Assoziativkette, den Cluster und die ABC-Liste. Für alle drei Verfahren gilt eine wichtige Regel: Schalte Deinen inneren Zensor aus und erlaube so Quantität vor Qualität.

Im zweiten Teil geht es um drei weitere Techniken und schließlich um den kreativen Prozess von der Zielbestimmung bis zur Lösung.

## ABC-Liste mit mehreren Spalten
In Teil 1 habe ich die ABC-Liste schon vorgestellt. Das Finden von passenden Ideen kann man leicht durch mehrere Spalten weiter steuern.

Beispiel: Die Hauptfigur ist in einem alten Bauernhaus. Was kann die Hauptfigur mit allen fünf Sinnen an diesem Ort wahrnehmen?

Buchstabe | Sehen | Hören | Riechen | Schmecken | Fühlen/Spüren
A

Z
/* aus technischen Gründen hier nicht als Tabelle wie angedeutet dargestellt. */

### Sehen
Abort, Ahle Wurscht, Äpfel, Axt, Backblech, Bienenkorb, Birnen, Brotteig, Butterfass, Cheminée, Dach, Diele, Dreibein, Dreschflegel, Eichenbalken, Erdkeller, Esstisch, Falltür, Fenster, Fensterläden, Feuerstelle, Fliegen, Fliegenpilz, Getreidemühle, Herd, Hofhund, Hühnerhaus, Hundehütte, Kaffeemühle, Kamin, Kette, Kochstelle, Kühe, Lagerraum, Mahlstein, Milch, Misthaufen, Pfanne, Pilze, Rahm, Rauchkammer, Räucherfisch, Säge, Sahne, Schemel, Scheune, Schinken, Schleifstein, Schornstein, Schweine, Sense, Speck, Stall, Talg, Tenne, Topf, Tür, Waben, Wachslicht, Wetterhahn, Zündstein

### Hören
klappern, knacken, knarren, knarzen, krähen, plätschern, plumpsen, quietschen, rattern, rauschen, Ruhe, schlagen, singen, stampfen, Stille, ticken, tropfen, zirpen

### Riechen
erdig, geräuchert, käsig, modrig, muffig, ranzig, rauchig, stinkend, verbrannt, vergoren, verqualmt, verstaubt

### Schmecken
angebrannt, cremig, fad, fest, fettig, frisch, gegoren, halb gar, heiß, kalt, locker, pappig, roh, sahnig, salzig, sauer, scharf, süß, verkocht, warm, wässrig, würzig

### Fühlen/Spüren
behaglich, Durchzug, fest, feucht, Frost, geborgen, gemütlich, glatt, glitschig, hart, heimelig, Hitze, Kälte, klamm, klebrig, locker, nass, Nässe, primitiv, rau, Sonnenstrahlen, spritzen, stachelig, stechend, trocken, Wärme, weich, windig

## Bisoziation: Zwei Begriffe als Grundlage einer neuen Idee
[nach Vera F. Birkenbihl "Birkenbihls Denkwerkzeuge", S. 60ff]
Ist ein Begriff gegeben und es fällt einem ein Zweiter dazu ein, dann ist das eine Assoziation. Analog ist eine Bisoziation das Entstehen einer neue Idee aufgrund von zwei Begriffen, die in der Regel nichts mit einander zu tun haben. Das Erkennen (Aha-Erlebnis) der Verbindung der beiden Begriffen wird auch häufig im Humor verwendet (bekannt auch als Wechsel des Bezugsrahmen).

Beispiel:
1. ABC-Liste rund um Computer:
Arbeitsspeicher, Byte, Computer, Daten, Eingabe, Festplatte, Grafikkarte, Hardware, Internet, JavaScript, Kennwort, Laufwerk, Mouse, Netzwerk, Open Source, Roboter, Software, Tastatur, USB-Stick, virtuelle Maschine, Webcam, Zugang
2. ABC-Liste rund um Horror
Angst, Blitz, Chaos, Dunkelheit, Einbildung, Falltür, Geschöpf, Hausgeist, Irrlicht, Jähzorn, Ketten, Leiche, Monster, Neumond, Okkult, Panik, Quaken, Ruine, Sturm, Tod, Unheil, Vollmond, Wolken, Zukunft
Vorgehen: Kombiniere jedes Wort der ersten Liste mit einem Wort der zweiten Liste. Was fällt Dir zu diesem Begriffspaar ein?
von
Arbeitsspeicher + Angst: Angst zu wenig Arbeitsspeicher zu haben.
Arbeitsspeicher + Blitz: Blitz zerstört Arbeitsspeicher.
bis
Zugang + Wolken: – Nichts –
Zugang + Zukunft: Zugang erst in Zukunft gewährt.

Tipp 1: Statt die ganzen ABC-Listen durchzugehen, kannst Du auch nur die 6 interessantesten Begriffe aus jeder Liste wählen. Mit einem Würfel kannst Du aus den 36 möglichen Paarungen, dann drei oder vier Paarungen per Zufall wählen, über die Du nachdenken willst.

## Semantische Intuition
Semantik ist die Lehre der Bedeutung von Worten oder Zeichen. In der Semantische Intuition werden Kunstworte geschaffen, aus denen sich interessante neue Ideen ergeben können.

Vorgehen:
1. Schreibe zu Deiner Frage 10 Wörter auf, je fünf in einer linken und je fünf in einer rechten Spalte. Zerlege dabei Doppelwörter wie "Computertastatur" in "Computer" und "Tastatur".
2. Setze das erste Wort der linken Spalte mit jedem Wort der rechten Spalte zu einem neuen Kunstwort zusammen. Wiederhole diesen Schritt mit jedem Wort der linken Spalte.
3. Was fällt Dir zu den Kunstworten ein?

Beispiel:
Linke Spalte: Dämmerung, Glocken, Lichter, Überraschung, Neid
Rechte Spalte: Dezember, Haus, Kerze, Musik, Qual
/* aus technischen Gründen hier nicht als Tabelle wie angedeutet dargestellt. */
Dies ergibt folgende Kunstworte:
DämmerungsDezember, DämmerungsHaus, DämmerungsKerze, DämmerungsMusik, DämmerungsQual
GlockenDezember, GlockenHaus, GlockenKerze, GlockenMusik, GlockenQual
LichterDezember, LichterHaus, LichterKerze, LichterMusik, LichterQual
ÜberraschungsDezember, ÜberraschungsHaus, ÜberraschungsKerze, ÜberraschungsMusik, ÜberraschungsQual
NeidDezember, NeidHaus, NeidKerze, NeidMusik, NeidQual

Tipp 2: Drehe die Reihenfolge der Wortteile um, wenn es andersherum mehr Sinn macht. - Beispiel: Dezemberneid, Hausneid, Kerzenneid, Musikneid

# Ablauf des kreativen Prozesses
Kreativ sein ist in der Regel kein Selbstzweck, sondern es wird damit ein Ziel verfolgt. Daher besteht der kreative Prozess aus fünf Schritten:
1. Zielbestimmung
Was will ich (erreichen, lösen, finden)? Wie lautet das Problem?
2. Überblick schaffen
Was habe ich an Informationen und Ressourcen?
3. Ideenfindung
Anwendung eines kreativen Verfahrens um viele Ideen zuerhalten.
4. Ideenbewertung
Welche Idee ist gut, umsetzbar, interessant, …?
5. Lösung umsetzen
Die gewählte Idee als Lösung verwenden.

## Die Denkstühle von Walt Disney
Die Denkstühle von Walt Disney als Beispiel für den Ablauf für den kreativen Prozess für die Schritte 3 bis 5. Walt Disney hat drei verschiedene Denkhaltungen eingenommen. Dies tat er auf unterschiedlichen Stühlen, daher der Name.
1. Stuhl des Träumers: Alles ist erlaubt und denkbar, spielen mit Möglichkeiten und Unmöglichkeiten.
2. Stuhl des Realisten: Die Ideen des Träumers realistisch weiter entwickeln. Wie kann man die Ideen in die Tat umsetzen?
3. Stuhl des Kritikers: Schonungslose Kritik an den realistischen Ideen. Umsetzbarkeit? Dauer/Kosten? Überflüssiges streichen.

Tipp 3: Wenn es nicht möglich ist, drei verschiedene Räume oder Stühle zu benutzen, dann verwende drei verschiedene Farben: Blau für den Träumer, Grün für den Realisten und Rot für den Kritiker.

## Osborn-Checkliste

Alex Osborn, Erfinder des Brainstorming, hat die Osborn-Checkliste entwickelt. Dabei geht es darum für einen Begriff durch Veränderung unter anderem des Blickwinkels, neue Ideen zu finden. Die Osborn-Checkliste ist vor allem für technische Probleme gedacht, kann jedoch für Geschichten auch interessant sein.
1. Anders verwenden: Wie anders verwenden?
2. Anpassen: Was ähnelt dieser Idee? Gibt es Parallelen? Was kannst Du nachahmen?
3. Ändern: Kannst Du Bedeutung, Farbe, Bewegung, Grösse, Klang, Geruch, Form ect. verändern?
4. Vergrößern: Kannst Du es größer machen? Häufigkeit erhöhen? Übertreiben?
5. Verkleinern: Kannst Du es kleiner machen? Etwas wegnehmen? Kürzer? Dünner? Leichter? Aufspalten? Miniatur?
6. Ersetzen: Was kann an der Idee ausgetauscht werden? Andere Gestaltung, Ort, Zeit, ...?
7. Umstellen: Kannst Du Teile, Abschnitte austauschen? Reihenfolge ändern? Umkehrung von Ursache und Wirkung?
8. Umkehren: Gegenteil der Idee? 180° drehen? Spiegeln der Idee? Rollen vertauschen?
9. Kombinieren: Mit anderen Ideen verbinden? Einpassen in ein großes Ganzes? Zerlegen in Bausteine?
10. Transformieren: Verändern, durchbohren, ausdehnen, zusammenballen, verflüssigen, transparent machen?

Zum Schluss noch eine paar Tipps, wenn das Schreiben zum Stocken kommt.

# Maßnahmen gegen Schreibblockaden
frei nach [F. Gesing "Kreativ Schreiben", S. 55]
Auch wenn man am Anfang einer Geschichte die schönsten Ideen hat, kann es beim Schreiben doch einmal zum Stillstand kommen. Was kannst Du tun?
1. Lese das bisher Geschriebene durch, um einen Anschluss zu finden.
2. Überlege, wohin der Text führen soll.
3. Schaue Dir die Vorbereitungsdateien wie ABC-Listen, Szenenplan etc. an.
4. Schreibe einfach weiter. Im Notfall auch nur Stichworte. Eine befreiende Idee kann beim Weiterschreiben völlig losgelöst von der Geschichte kommen.
5. Mache eine Pause: Spazieren gehen, Musik hören, putzen oder eine andere monotone Tätigkeit. Lasse "es" denken.
6. Falls Du denkst, Du bist in einer Sackgasse, dann spiele Alternativen durch, auch wenn Du damit deinen Szeneplan umschmeißt.
7. Führe einen inneren Dialog über Dein Problem / die Blockade. Schreibe Deine Probleme, Fragen, Sorgen und Nöte auf. Dann frage dich bei jedem Stichwort, was kannst Du tun, um dieses Problem zu beseitigen? Wer oder was kann Dir dabei helfen?
8. Vermeide alle selbstkritischen Gedanken.
9. Auch bei heftigen Selbstzweifeln oder Rückschlägen: weiter schreiben!

In diesem Sinne, viel Spaß und Erfolg beim Schreiben.
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