unterschied oder wortklauberei

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Labertasche
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Beitrag unterschied oder wortklauberei
Verfasst am: Do, 17. Sep 2015 12:02
beim lesen einiger stories - sowohl hier als auch auf anderen portalen - ist mir aufgefallen, daß in vielen texten alltägliche wörter falsch verwendet werden. grundsätzlich ändert diese verwendung der wörter nichts am textinhalt, weil sich alles im zusammenhang erschließt. dennoch fällt mir das - sagen wir mal - störend auf.

zum beispiel lese ich ziemlich häufig das wort "scheinbar" an stellen, wo "anscheinend" oder "offensichtlich" gemeint ist. auf den unterchied zwischen "scheinbar" und "anscheinend" angesprochen, schrieb mir jüngst ein autor hier, daß ihm dieser unterschied nicht bekannt sei.

ist es tatsächlich so, daß dieser unterschied unbekannt oder vielleicht auch unwichtig ist? wie seht ihr das?

ps: dem unterschied zwischen "sehen" und "schauen" ergeht es offenbar ähnlich.
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Labertasche
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Verfasst am: Fr, 18. Sep 2015 9:45
ich denke es hat etwas mit dem Sprachgebrauch zu tun. Diese Begriffe werden bereits in der Sprache nicht so gebraucht, wie du es hier anmerkst. Vielleicht hat es auch etwas mit deiner manchmal etwas pingeligen Art zu tun. Du hast ein Faible für so etwas. Du musst in manchen Dingen alles auf ein tausendstel korrekt haben. Vielleicht fällt es dir dadurch als störend auf?
Ich muss zugeben, dass es bei mir auch daran liegen könnte, dass ich unterschiedliche Bezeichnungen nehmen möchte, um nicht immer ein und denselben Ausdruck zu verwenden. Dabei kann das vorkommen, dass ich nicht zu hundert Prozent korrekt bin. Allerdings der Leser sicherlich versteht, um was es geht.
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Verfasst am: Fr, 18. Sep 2015 14:49
Zwiebelfisch dazu bei SPON
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Labertasche
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Verfasst am: Fr, 18. Sep 2015 16:21
grisu, du hast recht. ich habe tatsächlich eine schwäche für möglichst genaue wortbedeutungen. ich bin immer bemüht, in meinen texten die wörter in ihrem korrekten sinn anzuwenden.

eh ich für "anscheinend" "scheinbar" schreibe, nur weil ich wortwiederholungen vermeiden will, würde ich mir synonymlisten suchen, wie sie in dem SPON-artikel zu finden ist, den vloeck dankenswerterweise verlinkt hat. danke dafür.

outen sich noch mehr, die den unterschied nicht nur kennen, sondern auch beachten?

ich hätte da noch ein beispiel: "sehen" versus "schauen" - das erste beschreibt die fähigkeit, das andere die bloße handlung: ich schaue in den spiegel und sehe mein eigenes gesicht. bei mir würde niemals jemand in den spiegel sehen, nur etwas im spiegel sehen.
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Labertasche
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Verfasst am: Do, 18. Feb 2016 12:25
weil es so schön ist:

Zitat:

Das meist missbrauchte Adverb der deutschen Sprache

Der ein oder andere kluge Kopf wird längst wissen, von welchem Wort ich spreche. Es geht um das meist missbrauchte Adverb der deutschen Sprache: scheinbar.

Die meisten Menschen benutzen es inzwischen, um eine Aussage als Vermutung zu kennzeichnen. Sie setzen es gleich mit Worten wie "offenbar" oder "anscheinend". Dabei bedeutet es genau das Gegenteil. Es bedeutet, dass etwas nur so scheint, aber eigentlich ganz anders ist.
Der Unterschied zwischen "scheinbar" und "offenbar"

Wenn jemand zu dir sagt, dass der Chef scheinbar viel von dir halte, dann solltest du dich unter Umständen nach einem neuen Job umschauen. Ähnliches gilt, wenn ein Kollege sagt: "Scheinbar habe ich deine Mail nicht bekommen." Denn dann hat er sie bekommen und wollte sich nur nicht damit beschäftigen.

http://www.huffingtonpost.de/2016/02/17/wort-falsch-benutzt_n_9250694.html?utm_hp_ref=germany

als ein freund der deutschen sprache finde ich es bedauerlich, daß ihr ausdrucksvermögen und ihr reichtum an vokabular immer mehr verschwindet.
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Beitrag Ich oute mich mal.
Verfasst am: Do, 1. Dez 2016 23:18
Ja, du magst Recht haben.
Dennoch, einem Fntasieschreiber wird es in erster Linie um den inhaltlichen Zusammenhang und der Abwechlung in seiner Storry gehen. Bei jedem Wort neue Umschreibungen zu suchen, bremst den Schreibfluss, zumindest ergeht das mir so.
Natürlich kannst du das im Nachhinein korrigieren und ändern. Oft habe ich dann allerdings das Gefühl, dass dann etwas von der Authensität, von der dem persönlichen Charme, der von solch einer "Amateurarbeit" ausgeht, verloren geht. Es wirkt dann steriler und man muss andere Mittel suchen, um das wieder auszugleichen.
Grundsätzlich finde ich es aber gut, dass du die Frage aufgeworfen hast, denn jeder, der das nun gelesen hat, ist nun sensibilisiert. Auch nicht schlecht! ... Wink
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Labertasche
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Verfasst am: Fr, 2. Dez 2016 8:44
was mach ich hier eigentlich? ich bringe hier dinge zur sprache, die mir wichtig für eine gute geschichte sind: das ist neben dem inhalt auf jeden fall die sprache.

wenn jemand auf der suche nach einem synonym für "wahrscheinlich" auf "scheinbar" kommt, rollen sich mir die lesenden augen automatisch. er hat ein antonym gefunden! umso erstaunter bin ich, daß das muttersprachlern passiert.

nenn es pedanterie oder anders: ich gehöre zu denen, die die lektüre abbrechen, wenn die sprache zu viele mängel hat. während mir schon geschichten spaß gemacht haben, die inhaltlich dünn waren, dafür mit einer sichtlich ausgefeilten sprache daherkamen.

dem argument, bei jedem wort umschreibungen zu suchen (wer macht so was? wozu ein wort umschreiben, wenn man das wort selbst oder ein synonym verwenden kann?) behindere den schreibfluß, entgegne ich: erst schreiben, was aus dem kopf raus will, dann überarbeiten und feilen. das ist meine vorgehensweise. meine leser können froh sein, daß sie nicht zu lesen bekommen, was ungefiltert meinen kopf verlassen hat.

wenn eine geschichte nach dem überarbeiten steril geworden ist, hat die bearbeitung nicht gefruchtet.

ich bin ehrlich: ich möchte keine geschichte lesen, die unbearbeitet den kopf eines amateurs verlassen hat. ich beanspruche tatsächlich ein mindestmaß an sprachlicher fingerfertigkeit. was dem einen authentisch erscheint, mag für den anderen eine zumutung sein.

"scheinbar" mit "wahrscheinlich" gleichzusetzen, hat nichts mit der authentizität zu den, die einem leser zuzumuten ist nach meinem empfinden. für mich ist es ein anzeichen eines kleinen wortschatzes und mangelnden sprachgefühls. das mag für den verfasser authentisch sein. mich stört es. ich bin nämlich pingelig.

bei meinen geschichten achte ich auf die sprache. sie sind nicht perfekt. sie sind eher die ergebnisse meines strebens nach einer guten sprache. ich lerne stetig dazu.
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Labertasche
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Verfasst am: Fr, 2. Dez 2016 14:19
ich finde es gut und richtig von Orange, dass hier für alle zugänglich zu machen. Ich kann als Autor doch nur profitieren. Neue Anregungen aufnehmen. Ob ich sie auch einsetze, ist doch ganz allein mir überlassen.
Danke Guido, ich werde zumindest in Zukunft versuchen genauer zu arbeiten, beim Schreiben meiner Story.
Ob ich so radikal bin, wie du und Storys abbreche, die stilistisch nicht perfekt sind, aber ein inhaltliches Niveau haben, möchte ich in Frage stellen.
Das kann ja jeder für sich selbst prüfen.
Ich als Autor habe aber den Ehrgeiz möglichst viele Leser zu begeistern und zu unterhalten. Da ist eine gute Ausdrucksform sicher von Vorteil.
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Labertasche
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Verfasst am: Sa, 3. Dez 2016 12:01
nicht den spaß am schreiben und lesen verlieren! jeder hat seine vorlieben. ich teile hier nur, was mir interessant vorkommt.
sich selbst treu zu bleiben bedeutet für mich nicht, eine weiterentwicklung und verbesserung des schreibstils auszuschließen. auch richte ich mich nicht nach anderen, sondern nur danach, was mir gefällt. das ist für mich authentisch.
motto: wer es jedem recht machen will, macht es niemandem recht.
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