sprachspiel

aus dem Forum: Plauderecke

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Labertasche
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Verfasst am: Fr, 30. Dez 2016 11:59
Wenn Busse Bussen bekommen waren die Fahrer wohl zu schnell (o.k funktioniert nur im Schweizerdeutsch)
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Labertasche
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Verfasst am: Fr, 30. Dez 2016 15:15
im schweizerdeutsch funktioniert auch "masse" und "masse".

"man soll in massen geniessen, nicht in massen." hier ist "massen" das gegenteil von "massen" Wink
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Labertasche
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Verfasst am: Fr, 6. Jan 2017 22:00
DENE WOS GUET GEIT SONGTEXT

dene wos guet geit, giengs besser, giengs dene besser, wos weniger guet geit, was aber nid geit
ohni dass's dene, weniger guet geit, wos guet geit, drum geit weni, für dass es dene, besser geit
wos weniger guet geit, und drum geits o, dene nid besser, wos guet geit
(Mani Matter)

http://www.srf.ch/play/tv/news-clip/video/mani-matter-singt-dene-wos-guet-geit-1972?id=210e82dc-3895-4c75-b053-870379bb2959

Denjenigen, welchen es gut geht, ginge es besser, ginge es denjenigen besser, welchen es weniger gut geht. Was aber nicht geht, ohne dass es denjenigen, weniger gut ginge, welchen es gut geht.
Darum geht wenig (wird wenig dazu beigetragen), dass es jenen, besser gehe, welchen es weniger gut geht. Und darum geht es auch, denjenigen nicht besser, welchen es gut geht!
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Labertasche
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Verfasst am: Di, 10. Jan 2017 13:30
ein großer sprachspieler war: martin luther.

Zitat:

Ohne Martin Luther würden die Deutschen anders sprechen. Luther prüfte auf „Herz und Nieren“ und wurde „aus Schaden klug“, er nahm „kein Blatt vor den Mund“ und litt unter „Gewissensbissen“. Der Mönch aus Wittenberg hatte großes Talent, aussagekräftige Vergleiche und Metaphern, treffende Redewendungen und Sprachbilder zu finden und zu erfinden. Das nutzte er, um seine neue Lehre von der göttlichen Gnade unter die Leute zu bringen. Dabei ging es ihm nicht so sehr um den eigenen Ruhm, sondern ums große Ganze: um den Weg zum Heil und den Kampf gegen den Teufel. Das war ein mächtiger Antrieb.

http://www.tagesspiegel.de/weltspiegel/sonntag/luthers-vermaechtnis-am-anfang-war-sein-wort/19219500.html
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Labertasche
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Verfasst am: Di, 10. Jan 2017 13:32
Zitat:

MACHTWORT
Martin Luther erfand das „Machtwort“, um zu erklären, wie Gott die Welt erschaffen hat: Er habe ein „Machtwort“ gesprochen, wodurch die Dinge aus dem Nichts in die Existenz gekommen seien. Gottes Wort tue, wovon es spricht. Es sei ein Tatwort, eben ein echtes Machtwort.

LÜCKENBÜSSER
Im Mittelalter bedeutete „büßen“ schlicht „füllen“. Luther erfand den „Lückenbüßer“ bei der Bibelübersetzung. Im Alten Testament, Buch Nehemia, Kapitel 4, Vers 7 geht es um die Mauer des Jerusalemer Tempels. Sie hatte Löcher, Lücken, die gefüllt wurden.

IM DUNKELN TAPPEN
Im Alten Testament, 5. Buch Mose, Kap.28, Vers 29 ist die Rede von jemandem, der Gott nicht gehorcht. Luther übersetzt: „Und du wirst tappen am Mittag, wie ein Blinder tappt im Dunkeln, und wirst auf deinem Wege kein Glück haben und wirst Gewalt und Unrecht leiden müssen dein Leben lang und niemand wird dir helfen.“

PERLEN VOR DIE SÄUE WERFEN
Die Redewendung war in mittelalterlichen Predigtsammlungen enthalten. Luther machte sie bekannt, weil er sie in seine Bibelübersetzung einbaute. Im Neuen Testament, Matthäusevangelium, Kapitel 7, Vers 6 schrieb er: „Ihr sollt das Heilige nicht den Hunden geben und eure Perlen sollt ihr nicht vor die Säue werfen, damit die sie nicht zertreten mit ihren Füßen und sich umwenden und euch zerreißen.“

AUF SAND BAUEN
Den Vergleich erfand Luther bei der Übersetzung des Matthäusevangeliums, Kapitel 7, Vers 26. An dieser Stelle geht es um diejenigen, die sich nicht an Jesu Wort halten: „Wer meine (Jesu) Rede hört und tut sie nicht, der gleicht einem törichten Mann, der sein Haus auf Sand baute. Als nun ein Platzregen fiel und die Wasser kamen und die Winde wehten und stießen an das Haus, da fiel es ein und sein Fall war groß.“

SEIN LICHT UNTER DEN SCHEFFEL STELLEN
In der Bergpredigt im Matthäusevangelium rät Jesus seinen Jüngern in der Übersetzung von Martin Luther: „Man zündet auch nicht ein Licht an und setzt es unter einen Scheffel, sondern auf einen Leuchter. So lasst euer Licht leuchten vor den Leuten.“ Scheffel ist ein alter Name für Gefäß.

DIE ZÄHNE ZUSAMMENBEISSEN
Seinem depressiven Freund Jonas von Stockhausen empfahl Luther in einem Brief am 27. November 1532, er müsse sich mit aller Kraft gegen den Teufel wehren, der ihm die depressiven Schübe verpasse: „Ihr müsst ein Herz und Trotz fassen gegen Euch selbst und mit Zorn zu Euch selbst sprechen: … So will’s mein Gott, so will ich’s haben; hebt euch, ihr Teufelsgedanken, in den Abgrund der Hölle mit Sterben und Tod; hier habt ihr nichts zu schaffen. Und die Zähne zusammengebissen wider die Gedanken!“

EIN HERZ UND EINE SEELE
Im Neuen Testament, Apostelgeschichte Kapitel 4, Vers 32, geht es um die Gütergemeinschaft der ersten Christen. Luther übersetzt: „Die Menge der Gläubigen war ein Herz und eine Seele; auch nicht einer sagte von seinen Gütern, dass sie sein wären, sondern es war ihnen alles gemeinsam.“ Die Redewendung benutzte Luther auch in einem Brief 1542 an seinen Freund Justus Jonas. Dessen Frau war gestorben. „Meine Käthe war außer sich, denn die beiden waren ein Herz und eine Seele“, schreibt Luther.

ZEICHEN DER ZEIT
Im Matthäusevangelium, Kapitel 16 heißt es: Die Pharisäer fordern von Jesus, er solle sie „ein Zeichen vom Himmel“ sehen lassen. Jesus antwortet ihnen mit Luthers Worten: „Abends sprecht ihr: Es wird ein schöner Tag werden, denn der Himmel ist rot; und morgens sprecht ihr: Es wird heute Ungewitter sein, denn der Himmel ist rot und trübe. Ihr Heuchler! über des Himmels Gestalt könnt ihr urteilen; könnt ihr denn nicht auch über die Zeichen dieser Zeit urteilen?“

IN DEN SAUREN APFEL BEISSEN
Am 28. März 1532 schickte Luther Kurfürst Johann von Sachsen Glückwünsche zur Genesung. Der Fürst war krank und „hat müssen Wermuth essen und in den sauren Apfel beißen“, schreibt Luther.



wie oft habt ihr schon luther zitiert? Razz
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Labertasche
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Verfasst am: Di, 10. Jan 2017 16:51
äh ja, sicher schon oft ohne es bewusst zu wissen, danke Guido
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Verfasst am: Di, 10. Jan 2017 22:13
Wow, danke, Guido, das meiste habe ich nicht gewußt!
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Labertasche
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Verfasst am: Mi, 11. Jan 2017 8:41
Zitat:

GEWISSENSBISSE
In seiner Schrift „Von der babylonischen Gefangenschaft der Kirche“ kritisierte Luther 1520 die Praxis der katholischen Kirche, nur den Priestern das Abendmahl zu geben und nicht auch der Bevölkerung. Luther argumentierte mit der Bibelstelle im Matthäusevangelium, in der Jesus beim letzten Abendmahl mit seinen Jüngern sagte: „Nehmet hin und trinket alle daraus: Dieser Kelch ist das neue Testament in meinem Blut, das für euch vergossen wird zur Vergebung der Sünden“. Doch die Laien selbst könnten sich zu unwürdig fühlen für das Abendmahl, fürchtete Luther. Das wollte er ihnen ausreden und erinnerte sie an einen Bettler, der das Geschenk eines reichen Mannes ja auch nicht ablehnen würde, weil er angeblich zu unwürdig sei. Daran sollten die Laien denken und so ihr „Gewissen gegen alle Zweifel und Gewissensbisse“ wappnen.

WOLF IM SCHAFSPELZ
Im Matthäusevangelium Kapitel 7, Vers 15, wird vor den falschen Propheten gewarnt: „Seht euch vor vor den falschen Propheten, die in Schafskleidern zu euch kommen, inwendig aber sind sie reißende Wölfe.“ Luther verwendete seine Redewendung immer mal wieder in seinen Schriften, um die Menschen vor den Lehren der „Papisten“ zu warnen, die die Gläubigen verführen und zerreißen würden wie ein „Wolf im Schafspelz“

AUF HERZ UND NIEREN PRÜFEN
In Psalm 7 im Alten Testament heißt es: „Lass enden der Gottlosen Bosheit, den Gerechten aber lass bestehen; denn du, gerechter Gott, prüfest Herzen und Nieren.“ Menschen in der Antike trennten nicht zwischen Geist und Körper, sie dachten, Gefühle und Gedanken hätten ihren Sitz in den inneren Organen. In den Nieren vermuteten sie das Innerste und Geheimste der Menschen. Wenn Gott beim Jüngsten Gericht „Herz und Nieren prüft“, dann begutachtet er das Innerste der Menschen, heute würde man wohl sagen, er schaue ihnen auch ins Gewissen.

WER ANDERN EINE GRUBE GRÄBT, FÄLLT SELBST HINEIN
Die Weisheit geht zurück auf einen Spruch des biblischen Königs Salomo im Alten Testament. Doch erst in Martin Luthers Übersetzung wurde der Spruch berühmt.

DURCH SCHADEN WIRD MAN KLUG
„Quae nocent docent“, hieß es auf Latein: „Was schadet, lehrt“. Luther machte daraus „Durch Schaden wird man klug“, und schon setzte sich der Spruch im kulturellen Gedächtnis fest. Der Reformator liebte Sprichwörter und Lebensweisheiten und sammelte sie. Fündig wurde er in der Bibel, in den Fabeln und Gleichnissen des antiken Dichters Äsop, in Sprüchesammlungen und auch, indem er den einfachen Leuten zuhörte.

AUS EINEM VERZAGTEN ARSCH KOMMT KEIN FRÖHLICHER FURZ
Luther bewohnte mit seiner Frau Katharina von Bora und den Kindern das frühere Augustinerkloster in Wittenberg. Gegessen wurde im Refektorium, wo schon die Mönche ihre Mahlzeiten eingenommen hatten. Oft waren viele Gäste, Freunde und Studenten im Haus und wurden von Katharina mitversorgt. Während des Essens wurde geschwiegen. Nach dem Essen versammelten sich die Männer in der Lutherstube um den Meister und lauschten seinen Worten. Die Gespräche liefen nach einem festen Ritual ab, schreibt Günter Scholz in seinem Buch „Habe ich nicht genug Tumult ausgelöst? – Luther in Selbstzeugnissen“. Zu Beginn fragte Luther: „Was hört man Neues?“ Darauf schwieg die Runde erst einmal. Der Hausherr hakte nach: „Ihr Prälaten, was Neues im Land?“ Daraufhin begannen die älteren zu reden, allmählich auch die anderen. Vor allem aber redete Luther selbst und lenkte das Gespräch „mit unangefochtener Autorität“, schreibt Scholz. Ein Dutzend Schüler und Vertraute machte sich Notizen. Daraus sind die „Tischreden“ entstanden, die in der Weimarer Luther-Ausgabe sechs Bände füllen mit jeweils rund 700 Seiten. Auch die Erkenntnis über den fröhlichen Furz stammt daraus. Ebenso die Frage: „Warum rülpset und furzet ihr nicht? Hat es euch nicht geschmacket?“

DEN MANTEL NACH DEM WIND HÄNGEN
Schon um 1200 tauchte der Spruch „Man sol den mantel kehren als die winde sint gewant“ in einer Sprüchesammlung auf – und meinte etwas Positives. Luther wandelte den Spruch ab und kehrte ihn ins Negative. Er arbeitete auch gerne mit Allegorien, indem er Worte in andere Kontexte stellte. So soll er über seine Frau gesagt haben: „Käthe von Bora ist der Morgenstern zu Wittenberg.“

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Labertasche
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Verfasst am: Mi, 11. Jan 2017 17:53
wo bekommt man diese Quellen nur her? einfach toll. danke Guido
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Labertasche
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Verfasst am: Mi, 11. Jan 2017 23:02
tagesspiegel. eine meiner täglichen zeitungslektüren. manchmal finde ich eben auch was teilenswertes Wink
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Labertasche
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Verfasst am: Di, 17. Jan 2017 10:12
übrigens:

wer meint, das deutsche wort "wohnungsschlüssel" hätte viele konsonanten hintereinander (7), möge sich das wort "angstschweiß" genauer ansehen.
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Labertasche
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Verfasst am: Mi, 1. Feb 2017 13:15
Zitat:

Wortewandel: Sprachkolumne

Diese Wörter sind der Traum aller Juristen

Von CUS

Die deutsche Sprache ist grundsätzlich logisch – heißt das nun, sie ist es, oder nicht? In jedem Fall beinhaltet sie eine Menge Wörter, die, je nach Gebrauch, auch ihr eigenes Gegenteil bedeuten. Eine Warnung.

Es gibt immer noch Leute, die meinen, Sprache müsse logisch sein. Das ist natürlich Unsinn. Schön zu sehen ist das an den Wörtern, die ihr eigenes Gegenteil bedeuten. Das fing schon in der Steinzeit an: Kam also der Neandertaler in die Höhle zurück, sonderte er gern einen Grunzlaut zur Wetterlage draußen ab. Nun blieb es der Höhlensippe überlassen, wie die Nachricht zu interpretieren sei: Grunzlaut mit Reif im Bart hieß: »Hört mal alle her Leute, lausig kalt draußen!« Grunzlaut mit Schweißperlen hieß: »Damit ihrs nur alle wisst, eine Affenhitze aber auch!« Eine Nachricht ersten Ranges in der jahrein, jahraus gleichmäßig temperierten Höhle.

Vom Neandertal ins Weiße Haus: Neue Sanktionen gegen Nordkoreas aufmüpfigen Kim? Die alten Sanktionen gegen Putin aufheben, die den Ölmultis so sauer aufstoßen? Das wird mal wieder heiß diskutiert. Verloren geht dabei die Doppelbedeutung des Wortes Sanktion: Da ist die heute gängigere Bedeutung im Sinne von Bestrafung, für etwas, was man nicht tun durfte. Daneben lebt auch das Gegenteil fort: Die Sanktion als ein Gutheißen, ein Billigen: Der Papst erteilt dem Beschluss seine Sanktion oder er sanktioniert ein Tun. Da steckt das gute alte »sankt« in Sinne von heilig drin.

Alle steht erstens für alle und zweitens für nichts: Die Suppe ist alle oder sogar alle alle. Mit erst geht es ebenso: Erst komme ich, also zuerst, dann erst kommst du, also zuletzt. Der Boden ist unten oder auch oben unterm Dach. In der Apotheke hört man öfter die Bitte um ein Mittel für Schnupfen, es kann also genauso gegen bedeuten. Das gleiche Schicksal erleidet mit: Anton spielte (zusammen) mit Bernd mit (gegen) Christian.

Entfallen ist etwas, was wir nicht mehr haben, ein Name etwa. Oder etwas, was wir bekommen: Auf den Gewinner entfallen 1000 Euro. Überhaupt der Preis - den Trostpreis bekommt man, den Hammerpreis (ist das jetzt viel oder wenig?) muss man löhnen. Vertreten lässt sich jemand, der selbst nicht anwesend ist. Wer hingegen vertreten ist, ist anwesend. Das Finanzamt erlässt einen Zahlungsbefehl oder besser doch die ganze Steuerschuld - aus »zahle sofort!« wird simsalabim »zahle nichts!«

Grundsätzlich heißt im normalen Sprachgebrauch »immer«. Im juristischen Sinne heißt es »nur im Grundsatz, aber ...«, also eben nicht immer. Laien lassen sich mit derartigen Formulierungen leicht über den Tisch ziehen. Wenn die Versicherung tönt »Grundsätzlich übernehmen wir Ihre Schäden« findet das der Laie super, der Jurist lächelt. Ähnlich scheinbar - im üblichen Sprachgebrauch soviel wie anscheinend: Müller war scheinbar krank. Und wenn er nur scheinbar krank war, dann war er eben zum Schein krank, der Lümmel, und hat lieber blau gemacht.

Die Vorsilbe un sorgt für das Gegenteil? Durchaus, wie in unmöglich. Oder sie steigert: Das Unwetter. Oder sie bedeutet gar nichts: Kosten = Unkosten. Oder auch ihr eigenes Gegenteil: Die Untiefe ist erstens eine besonders seichte Stelle im Meer, die Kapitäne fürchten, und zweitens eine besonders tiefe Stelle. Selten kehrt sich durch Betonung ins Gegenteil: Das Wetter war selten schön oder das Wetter war selten schön!

Welche Wörter verstehen manche Leute so und manche Leute genau umgekehrt? Frugal etwa. Ursprünglich ein kärgliches Mahl, ein paar Krümel für Bettelmönche in der Fastenzeit. Nicht jeder vermochte mit diesem Fremdwort etwas anzufangen. Das Wort klingt ja nach Frucht und Üppigkeit - somit gewann frugal seine zweite Bedeutung: üppig, ausladend, ein bacchantischer Fraß.

Ach nein! »Möchtest du noch mehr?« Antwort: nein! Möchtest du also nicht noch mehr? Antwort wieder nein! Korrekterweise hätte man auch ja sagen können (»ja, ich möchte nicht noch mehr«), doch geht das über das normale menschliche Verständnis hinaus. Ja und nein sind ohnehin oft beliebig vertauschbar: Es kamen hunderte, ja tausende von Leuten versus es kamen hunderte, nein tausende von Leuten. Nicht kann ohne jede Bedeutung sein: Kommst du (nicht) mit ins Kino? Dazu passt das Spiel Mensch-ärgere-dich - oder heißt es (nicht) eher Mensch-ärgere-dich-nicht?

Wie kann eine Stadt in Argentinien ihr eigenes Gegenteil bedeuten? Gemeint ist Cordoba, wo die deutsche Mannschaft bei der Fußball-WM 1978 jämmerlich einging. Der damals amtierende Weltmeister Deutschland versagte gegen den Fußballzwerg Österreich. Für deutsche Fans steht Cordoba folglich für eine schmähliche Niederlage. Für Österreicher ist es ein glorreicher Sieg, das Wunder von Cordoba.

Im Lateinischen begegnet uns altus im Sinn von hoch oder tief und sacer bedeutet heilig und verflucht. Bei uns steckt sacer in Sakrament - eine besonders heilige Handlung wie auch ein Fluch. Von da sind wir gleich wieder bei der Sanktion. Das französische personne heißt erstens jemand und zweitens niemand, der Trend geht zu niemand. Und die Italiener? Als Reminiszenz an den Wetterkundschafter der Neandertaler sagen Italiener bis heute caldo, wenn sie heiß meinen.



http://sz-magazin.sueddeutsche.de/texte/anzeigen/45439/
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Labertasche
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Verfasst am: Mi, 1. Feb 2017 13:34
mein senf dazu:

beim beispielen "für" und "mit" sehe ich sehr deutlich, wie schluderig mit der sprache umgegangen wird. für mich ist es selbstverständlich, ein mittel GEGEN schnupfe zu verlangen und wenn ich gegen einen mitspieler spiele, spiele ich GEGEN ihn und nicht MIT ihm. (interessant: der "gegner" wird zum "mitspieler". das ist kein sprachlicher lapsus, sondern ausdruck sportlicher fairness.)

wer "grundsätzlich" im sinne von "immer" benutzt, benutzt es schlichtweg verkehrt. macht man sich die mühe, das wort genauer zu betrachten, steckt darin das wort "grundsatz". das heißt eben nicht "immer", sondern sogar wenn überhaupt "sehr selten". wir alle wissen doch, wie häufig von grundsätzen abgewichen wird. kein grundsatz besteht ohne ausnahmen - und die kommen fast immer zum tragen.

über den unterschied zwischen "scheinbar" und "anscheinend" habe ich mich schon ausgelassen.

die vorsilbe "un" in "unkosten" will demjenigen, dem man zusatzkosten aufbürden will, suggerieren, daß das lediglich kosten sind, die ich unmittelbar an ihn weiterreiche. ein klassischer "euphemismus".

"untiefe" würde ich immer als gegenteil von tiefe ansehen. wenn mit gegenüber jemand damit eine besonders tiefe stelle bezeichnet, bekommen wir ein mißverständnis. für mich wäre das auch eine schludigkeit bei der wortwahl.

"frugal" ist ein schönes beispiel für den wunsch einiger, mit der verwendung von fremdwörtern etwas auszustrahlen, das sie einfach nicht haben. fremdwörter sollte nur der verwenden, der ihren sinn kennt. andernfalls hat die deutsche sprache genügend wörter aus eigenem sprachschatz.

"nein" und "ja" werden häufig als worthülsen verwendet. ihr einziger sinn könnte darin stecken, einen gewissen sprachfluß zu erreichen.

"caldo" erscheint mir ein jokus des autors zu sein. "caldo" heißt immer schon "heiß". verwechslungsgefahr lauert bei deutschen und anglophonen, die kein italienisch können.
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Labertasche
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Verfasst am: Mo, 20. Feb 2017 21:08
wenn ich nur darf, wenn ich soll, aber nie kann, wenn ich will, dann mag ich auch nicht mehr, wenn ich muß.
wenn ich aber darf, wenn ich will, dann mag ich auch, wenn ich soll und kann auch, wenn ich muß.
schließlich müssen die, die können sollen auch wollen dürfen.
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Labertasche
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Verfasst am: Mo, 27. Feb 2017 16:27
wäre ich der konjunktiv, hätte ich mehr würde.
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Labertasche
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Verfasst am: Sa, 4. März 2017 10:10
ein kuß ist ein aufdruck mit nachdruck zum ausdruck des eindrucks.
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Labertasche
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Verfasst am: Mi, 10. Mai 2017 21:13
teigwaren sind teigwaren, weil teigwaren teig waren.
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Wort-Inflationär
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Verfasst am: Do, 11. Mai 2017 9:12
Wer gegen ein Minimum Aluminium immun ist, besitzt Aluminiumminimumimmunität.
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Labertasche
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Verfasst am: Do, 11. Mai 2017 15:06
es kann vorkommen,
daß die nachkommen
mit dem einkommen
der vorkommen
nicht auskommen
und dann völlig verkommen
umkommen.
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Labertasche
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Verfasst am: Di, 23. Mai 2017 22:21
tagsüber heißt es:
der weizen
das korn

und abends:
das weizen
der korn
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